Entwicklung der Reben

Ilona SchneiderNews

Region Nahe/Rheinhessen (Stand: 25.04.2018):

So schnell ändern sich die Dinge. Während der März verglichen mit dem langjährigen Mittel knapp 2 °C zu kühl war, läuft der ausklingende April darauf hinaus, fast 5° zu warm zu werden. Die Folgen sieht man draußen. Ostern haben  wir zu Anfang des Monats unter noch fast spätwinterlichen Bedingungen verbracht und nur 4 Wochen später treffen wir grüne Weinberge an. Ende letzter Woche war in unserer Referenzfläche Riesling Kahlenberg der Austrieb zu  verzeichnen, und seitdem ist ein fast explosionsartiges Wachstum zu beobachten. Während wir im letzten Jahr Mitte April etwa eine Woche früher als in diesem Jahr waren, haben wir derzeit bereits einen Vegetationsstand erreicht, wie er im letzten Jahr um den 10. Mai, dem Ende der rund dreieinhalbwöchigen „Eiszeit“, erreicht war. Erinnern wir uns: An den nicht erfrorenen Trieben bzw. Augen hat sich zwischen 20. April und 10. Mai so gut wie nichts getan und in den späten Anlagen hat sich der Austrieb bis Mitte Mai dahingezogen.  Bei einzelnen Trieben entfaltet sich in unserer Referenzfläche bereits das fünfte Blättchen. Im Durchschnitt ist knapp das 4-Blattstadium erreicht. 2 Dinge erscheinen bemerkenswert: Der Austrieb ist fast überall sehr gleichmäßig und
zeigt wenige Lücken auf Bogreben. Deutlich geringer als in anderen Jahren ist der gerade für unseren Dienstbezirk ansonsten so ausgeprägte phänologische Unterschied zwischen den frühesten und den spätesten Lagen. Alle  Standorte haben sich in den letzten 14 Tagen quasi im Gleichschritt mit hohem Tempo weiter entwickelt. Das ist allerdings nicht überraschend. Für die vegetative Entwicklung ist es vergleichsweise „wurscht“, ob bei sommerlichen Bedingungen eine frühe (= warme) Lage nachmittags 27 °C und eine späte (= kühle) Lage 25,5 °C aufweist. In hohen Temperaturbereichen spielen geringfügige Unterschiede für die Entwicklung keine Rolle. Hingegen ist es ganz und gar nicht egal, ob es in einer frühen Lage 17 °C und in einer späten Lage 15,5 °C warm ist. In einem für die vegetative Entwicklung suboptimalen Temperaturbereich spielt eine derartige Differenz für die Geschwindigkeit der Entwicklung eine beträchtliche Rolle. Letzteres ist um diese Jahreszeit eigentlich der Normalfall und erklärt dann auch die Unterschiede zwischen Standorten. Im Moment geht dem Frühsommer im Frühjahr etwas die Puste aus. Die Entwicklungsgeschwindigkeit dürfte sich bis zum Ende nächster Woche in etwa in normalen Bahnen bewegen, falls die derzeitige Wetterprognose zutrifft. Das wäre ein weiterer Zuwachs von 2 Blättern pro Woche. Die Frage, die derzeit die meisten wohl am stärksten interessiert, ob mit Frösten zu rechnen ist, darf derzeit verneint werden. Aber damit sind wir natürlich noch nicht „aus dem Schneider“. Die Eisheiligen beginnen erst am 12. Mai und ganz leichte Frostschäden mussten wir z.B. 2013 noch am 25. Mai verzeichnen. Dennoch – jeder Tag, an dem keine kritischen Temperaturen zu befürchten sind, ist ein Gewinn und die Wahrscheinlichkeit, dass solche extrem tiefen Temperaturen wie im letzten Jahr am 20. April erreicht werden und das Frostschäden katastrophale Ausmaße haben können, sinkt kontinuierlich. Ungeachtet der Phänologie und des Temperaturgeschehens dürfte es so langsam mal nennenswert regnen. Punktuell kam es am Montagnachmittag zu einem kräftigen Niederschlag, aber die meisten Regionen sind leer ausgegangen und haben im bisherigen Monatsverlauf weniger als 10 mm zu verzeichnen. Heute könnte der ein oder andere Schauer hinzukommen und auch zum Wochenbeginn zieht eine gewittrige Störung über uns hinweg, die hier und da für Entlastung sorgen könnte. Flächendeckender Landregen ist jedoch nicht in Sicht.

Region Pfalz (Stand 24.04.2018):

Die sommerliche Witterung der vergangenen Woche hat die Natur schlagartig aus den Startlöchern gelockt. Wenn man bedenkt, dass es zu Ostern noch winterlich kalt war, so ist die Entwicklung enorm. Auch die frostempfindlichen Gehölze wie Walnuss, Feige oder Edelkastanie sind ausgetrieben. Der Austrieb der Reben wurde bei allen Sorten und Lagen erreicht, der Austriebszeitraum lag dieses Jahr sehr eng. Burgundersorten und Portugieser sind rasant gewachsen und bereits im Drei-Blatt-Stadium (BBCH 13). Früh austreibende Sorten wie Muskateller, Morio-Muskat, Solaris und Muscaris spreizen bereits das fünfte Blatt ab. Jüngere Reben und dünnere Ruten treiben stets etwas früher als Augen an stärkeren Ruten. Auch wenn aktuell in den Langzeitprognosen kein Frost gemeldet ist, muss bis etwa Mitte Mai noch vor möglichen Spätfrösten gebangt werden. Die derzeitigen Wetterprognosen lassen noch keine eindeutigen Aussagen über die Temperaturverläufe der ersten Maidekade zu. Es ist aber abzusehen, dass in den ersten Maitagen mit ergiebigen Niederschlägen zu rechnen ist. Angeschnittene Frostruten sollten noch stehen bleiben. Nur bei kompletten Ausfällen durch Knospenfraß oder gerissener Rute ist es sinnvoll, die Frostrute vorzeitig anzubinden. Ansonsten werden sie nach Beendigung der Frostgefahr entfernt. Die Abschnitte lassen sich dann gut als Spenderholz zur Raubmilbenansiedlung in Neuanlagen verwenden. Diese Woche „normalisiert“ sich das Wetter wieder bei wechselhafter Witterung und Temperaturen von 18-22° Celsius, was dem rasanten Triebwuchs wohl nur geringfügig abbremsen wird. Die Abkühlung schafft jedoch etwas „Luft“ für die nun anstehenden Stock- und Ausbrecharbeiten.

Region Kaiserstuhl / Baden (Stand 25.04.2018):
Seit dem Austrieb der Reben um den 19. April (1 Blatt abgespreizt) ist nahezu 1 Blatt/Tag gewachsen, so dass aktuell zwischen 4-6 Blätter an den Reben am Kaiserstuhl zu zählen sind. Die Gescheine sind sichtbar. Insgesamt ein sehr gleichmäßiger Austrieb verbunden mit einer sehr rasanten, frühen Entwicklung (+ 8 Tage), die sich mit den nun abkühlenden Temperaturen voraussichtlich etwas abschwächt.
Die Niederschläge am Montag erbrachten um die 8 mm, teils als Landregen, teils heftige Güsse. In den frühen Lagen liegt der Gedanke an die Primärinfektion, begründet mit der 10er Regel, nahe. In den späteren Lagen sind die Wintersporen nun keimbereit und können bei den nächsten ausreichenden Niederschlägen und gleichzeitig fortschreitendem Wachstum erste Peronosporainfektionen auslösen. Daher wird empfohlen vor den nächsten Niederschlägen eine 1. Belagsspritzung durchzuführen. Ein weiteres Argument für eine frühe 1. Behandlung vor dem Wochenende zielt auf Oidium. Erste Zeigertriebe in den bekannten Befallslagen und Befallssorten (Acolon) sind gemeldet. Hier sollte spätestens zum 6-Blattstadium eine Belagsspritzung durchgeführt werden.
Die Wettervorhersage meldet für Freitag und Samstag freundlich mit jedoch höherem Windaufkommen am Freitagnachmittag. Ab Sonntag und für den Monatswechsel werden regional Niederschläge bzw. Gewitter gemeldet.