Health Claim-Verbot trotz wissenschaftlichem Beleg

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Der Traubenzuckerhersteller Dextro Energy darf nicht mit der positiven Wirkung von Glukose auf den Energiestoffwechsel des Menschen werben. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechtsmittel des Unternehmens gegen ein Urteil des EU-Gerichts zurückgewiesen. Die Richter bestätigten damit die Entscheidung der EU-Kommission, wonach die 2011 beantragten Health Claims „zum Verzehr von Zucker aufrufen, obwohl ein solcher Aufruf den allgemein anerkannten Ernährungs- und Gesundheitsgrundsätzen zuwiderläuft“, wie das Gericht mitteilt. Das Pikante: In der Regel scheitern beantragte Health-Claims-Aussagen daran, dass sich ihr Nutzen für die Gesundheit nicht wissenschaftlich belegen lässt. Im Fall von Dextro Energy ist das jedoch anders. Die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte den nachweisbaren „Kausalzusammenhang zwischen der Aufnahme von Glucose und dem Beitrag zu einem normalen Energiegewinnungsstoffwechsel“ bestätigt. Werben wollte Dextro unter anderem mit den Claims „Glucose unterstützt die normale körperliche Betätigung“ und „Glucose trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“. Trotzdem lehnte die Kommission die Zulassung im Januar 2015 ab, weil „die gesundheitsbezogenen Angaben ein widersprüchliches und verwirrendes Signal an die Verbraucher senden würden, da diese zum Verzehr von Zucker aufgerufen würden, für den nationale und internationale Behörden aber eine Verringerung des Verzehrs empföhlen.“ Die Kommission wollte auch keine Ausnahme schaffen, indem sie die Angaben mit speziellen Bedingungen für die Verwendung oder zusätzlichen Erklärungen oder Warnungen zulässt, weil damit die „Irreführung der Verbraucher nicht genügend eingedämmt“ würde. Dextro hatte in seinen Rechtsmitteln Ermessensfehler und falsche Gewichtung bei der Kommission moniert. Ein Hinweis auf nachgewiesene Wirkungen von Glukose bedeute weder, dass man Zucker verzehren oder gar vermehrt verzehren solle, so die Begründung der Rechtsmittel. „Von einem Widerspruch könne deswegen keine Rede sein – insbesondere nicht, soweit es um die in den Anträgen konkret genannten gesunden, aktiven und ausdauertrainierten Männer und Frauen gehe“, führte das Unternehmen aus. Auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) hatte die Kommissionsentscheidung damals kritisch kommentiert: „Die Frage lautet im Grunde, wie viel Verstand man dem Verbraucher zutraut“, hieß es von dort. „Traut man ihm zu, zu erkennen, dass er Traubenzucker nur punktuell zu sich nimmt – und nicht zu jeder Mahlzeit zu essen?“ „Wir sind der Meinung, dass mündige Verbraucher vor wissenschaftlich belegten Tatsachen nicht beschützt werden müssen“, lässt sich Dextro Energy zitieren.

Link EuGH Urteil

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