Entwicklungen auf dem Zuckermarkt

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Nach Angaben der EU-Kommission liegt der Weltmarktpreis für Zucker gegenwärtig leicht über dem Preis in der EU. Ursache ist ein Versorgungsdefizit auf dem Weltmarkt, das bereits zwei
Jahre anhält. Die weltweite Nachfrage wächst schneller als das Angebot, die weltweiten Lagerbestände sinken. Derzeit haben sie eine Reichweite von nur 127 Tagen, das ist ähnlich niedrig wie in den schwierigen Zuckerjahren 2009/10 und 2010/11. Nach Ansicht der meisten Analysten wird die „Knappheit auf dem Weltmarkt“ im laufenden Jahr anhalten. Denn China und Indien werden vermutlich – außer bei besonders gutem Wetter – nicht genug ernten und auf Importe angewiesen sein. Zwar reichen die weltweiten Produktionskapazitäten aus, um die Nachfrage zu befriedigen, es bleiben aber erhebliche Wetter-, Preis- und Wechselkursrisiken. Aufgrund dessen und wegen des noch weiterbestehenden Außenschutzes ist im laufenden Jahr
in der EU nicht mit nennenswerten Einfuhren aus Drittländern zu rechnen. Die EU-Kommission geht daher zum Ende des Wirtschaftsjahres am 30.09.2017 von einem historisch niedrigen Endlagerbestand von „Quotenzucker“ in Höhe von nur rund 500.000 Tonnen aus. Das entspricht gerade einmal drei Prozent des EU-Bedarfs.
Der Endlagerbestand von „Nichtquotenzucker“ wird von der EU-Kommission auf 1,3 Mio. Tonnen prognostiziert, es sei denn die EU erlaubt den Export von 700.000 Tonnen in Drittländer. In diesem Fall wären am Ende noch rund 600.000 Tonnen Nichtquotenzucker auf Lager. Die Entscheidung hierüber wird voraussichtlich am 28.02.2017 in Brüssel fallen.
Die verbleibende Menge Nichtquotenzucker darf zum Stichtag des Wegfalls der Quotenregelung am 01.10.2017 in den freien Verkauf überführt werden. Die Versorgung mit Quotenzucker
kann etwas eher beginnen, nämlich mit dem ersten Tag der neuen Ernte. Ab 01.10.2017 gibt es kann keine Beschränkungen mehr für den Verkauf von Zucker in der EU, und auch die Exportquote von 1,3 Mio. Tonnen fällt weg. Lediglich auf der Importseite bleibt als Handelsbeschränkung der reguläre Zoll von 419 Euro/Tonne erhalten. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Entwicklungen von Produktion und Nachfrage auf dem Weltmarkt und in der EU geht das BMEL auch im laufenden Jahr von ähnlich hohen Zuckerpreisen in der EU aus wie heute. PROFEL und IZZ haben die EU-Kommission auf den drohenden „Versorgungsengpass“ aufmerksam gemacht, der zum Spätsommer 2017 eintreten könnte. Die EU-Kommission will dies aufmerksam beobachten und ggf. Notmaßnahmen ergreifen. Angesichts der Knappheit im Jahr 2016 und ausgebliebener Notmaßnahmen ist hier aber Vorsicht geboten.
Mittelfristig rechnet die EU-Kommission mit einem wettbewerbsfähigen, konsolidierten EU Zuckermarkt mit folgenden „Eckdaten für das Jahr 2026″ (Veränderungen ggü. 2016 in Klammern):
– Preisniveau bei 405 €/t (- 8%)
– Produktion bei 18,3 Mio. t (+ 9%)
– Importe bei 1,7 Mio. t (- 48%)
– Exporte bei 2,3 Mio. t (+ 64%)
– Isoglucoseproduktion bei 1,9 Mio. t (+ 270%)
– Ethanolproduktion bei 9,6 Mio. t (- 24%)
Abschließend ist zu bemerken, dass die Preisentwicklung volatiler und durch zunehmende Spekulation an den Börsen weltweit verschärft wird. Preisprognosen werden damit zugleich wichtiger und schwieriger werden.

(Quelle: VdF, BOGK, Proplanta)

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