Entwicklungen Jahrgang 2016

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Lesedauer – Traubenqualitäten
Die Lese neigt sich langsam dem Ende zu. Bis spätestens Ende dieser Woche dürften auch in den meisten nördlichen Weinbauregionen  ein Großteil der Riesling-Trauben abgeerntet sein. Insgesamt kann man bis zum jetzigen Zeitpunkt von einem ruhigen Herbstverlauf sprechen. Es konnte ohne Hektik und bedacht die jeweils gewünschten Partien eingelagert werden. Die Mengen sind in den einzelnen Anbaugebieten sehr unterschiedlich. Ertragseinbußen bis zu 50 %, bedingt durch die Peronospora, waren zu registrieren, aber auch Erntemengen über dem Qualitätsweinkontingent von 10500 l/ha. Die Mostgewichte sind erfreulich, jedoch nicht so „explodiert“ wie in 2015. Gut vorbereitete Weinberge konnten/ können die gesteckten Ziele erreichen. Auffällig ist, dass die Mostgewichts- und Reifeentwicklung vom Riesling derzeit ein wenig stagniert. Mostgewichte über 90° Oe sind schwer zu erreichen trotz intensiver Behandlung (Entblätterung, Traubenhalbierung, Freistellung) im Weinberg. Eine sehr sorgfältige und detaillierte Beobachtung der einzelnen Anlagen erscheint sinnvoll und notwendig, um das Optimum heraus zu kitzeln.

Säureentwicklung
Im Moment ist zu beobachten, dass bei früh gelesenen Moste (Müller-Thurgau, Silvaner,…) trotz entsprechender Ansäuerung, die Säurewerte im fertig vergorenen Wein doch wieder sehr niedrig geworden sind. Ein starker Ausfall der Weinsäure ist bereits beim 1. Abstich zu beobachten. Die Weine probieren sich dann schon rund und harmonisch. Prüfen Sie die Säuregehalte und nehmen Sie frühzeitig eine Feinjustierung vor. Hierdurch können Sie natürlich auch den pH-Wert wieder absenken und eine bessere mikrobiologische Stabilität – auch nach der Schwefelung – erreichen. In diesem Kontext sollten natürlich alle Aspekte (Verschnitte, Restsüße, Biologischer Säureabbau mit VINIFLROA Direktbeimpfungskulturen Milchsäurebakterien, Holzfasslagerung,…) frühzeitig bedacht werden.

Erhöhung der Anreicherung für rote Rebsorten – noch in der Genehmigungsphase
Das BMEL hat bei der EU beantragt, gemäß Anhang VIII Teil I Abschnitt A Nr. 3 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 die Anreicherungsgrenzen des Jahrgangs 2016 für die roten Rebsorten in den Anbaugebieten von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausnahmsweise um jeweils 0,5 %Vol. zu erhöhen. Das formale EU-Gesetzgebungsverfahren zur Anhebung der Grenzwerte für die Anreicherung von Wein des Jahrgangs 2016 ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Die zu erwartende formalrechtliche Zulassung der erhöhten Anreicherungsgrenze für den Jahrgang 2016 käme damit für die praktische Anwendung vielfach zu spät. Das BMEL geht davon aus, dass die Genehmigung zur Anhebung der Anreicherungsspanne, wie oben dargestellt, erteilt werden wird. Da bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung die alte Rechtslage weiter besteht, sind Maßnahmen im Vorgriff auf die zukünftige Regelung zunächst rechtswidrig. Nach dem bald zu erwartenden Inkrafttreten der neuen Regelung ist die dem dann geltenden Recht entsprechende Maßnahme jedoch als rechtmäßig anzusehen.
Falls daher Weinbaubetriebe aus technologischen Gründen die erhöhte Anreicherungsspanne für den Jahrgang 2016 bereits vor der formalrechtlichen Zulassung anwenden, bestehen von Seiten des BMEL keine Bedenken, wenn dies von den Behörden im Vorgriff auf die künftige EU-Regelung zunächst geduldet wird.

Reife – Pektingehalte und Konzentration an filtrationshemmenden Stoffen
Ein Indiz für eine besondere Protein- und Pektinzusammensetzung der Traubenmoste zeigt das Phänom das bei der Flotation höhere Trubvolumina erreicht worden sind. Weiterhin konnte auch beim Absetzen der Traubenmoste ein höheres Sedimentationsdepot festgestellt werden. Trotz optimaler Traubengesundheit, d.h. geringer Botrytis-Belastung der Trauben zeigt sich ein höherer Pektin- und Proteingehalt in den Traubenmosten und den hieraus resultierenden Weinen. Für den weiteren Weinausbau könnte dies evtl. zu Problemen bei der Grobfiltration der Weine führen. Hintergrund ist eine höhere Konzentration an Restpektinen die zu Filtrationsproblemen führen. Unsere Empfehlung ist die Behandlung von Weinen mit pektolytischen Enzymen (SIHAZYM Wine Clear 2-4 g/hl).

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