Traubenreifeentwicklung – Region Heilbronn

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Verbreitet lagen die Niederschläge am Wochenende um 20 Liter/m². Für die spät reifenden Sorten auf
flachgründigen Standorten ist das eine willkommene Erfrischung. Für reife Anlagen und besonders bei kompakten Trauben wird sich der Fäulnisdruck, unabhängig von der KEF, dadurch etwas verstärken.
Allgemeiner Lesebeginn für Frühsorten ist in dieser Woche. Je nach Behang sind auch schon mittelfrühe Sorten in der Reife recht weit fortgeschritten. Auch hier wird in den nächsten Tagen, eben je nach Reifegradation und Fäulnisdruck, die Lese oder zumindest eine Vorlese beginnen.
Die spätreifenden Rebsorten Lemberger und Trollinger haben großteils auch schon erfreuliche
Mostgewichtszunahmen zu verzeichnen. Auch bei diesen Sorten ist das Ertragsniveau und die Lagegüte ganz besonders dafür verantwortlich, welcher Reifegrad erreicht wurde. Dementsprechend gibt es zum Beispiel in Terrassenanlagen Trollingerweinberge, die bei moderatem Behang bereits eine erstaunliche Reife aufweisen. Generell sind die Weinberge hinsichtlich der Fäulnisentwicklung sehr genau im Auge zu behalten. Nach wie vor gilt die Maxime, dass die Lese aus qualitativer Sicht so spät wie möglich durchgeführt werden sollte. Mit dem Instrument der Vollernterlese besteht besonders für größere Betriebe mittlerweile auch die Möglichkeit, sehr schlagkräftig ernten zu können, wenn es nötig ist. Allerdings ist dabei sehr penibel darauf zu achten, dass essigstichige Trauben oder anderweitig ungeeignetes Lesegut zuvor herausgeschnitten werden. Völlig unabhängig von der Kirschessigfliege finden sich in kompakten Trauben bereits mehrfach Nester mit Essigstich. Anzeichen dafür sind Beerchen, die beim Berühren der Trauben sich sehr leicht ablösen. Aus Platzmangel haben sich die Beerchen vom Beerenstiel weggeschoben und bleiben dennoch im Trauben hängen. Die dadurch entstandene Wunde am Stielansatz wird sehr schnell von Essigfliegen und Kirschessigfliegen besiedelt,
besonders im schlecht trocknenden Inneren der Trauben. Feuchtigkeit und Wärme beschleunigen den Vorgang der Essigbildung enorm. Parallel dazu siedelt sich auf zuckerhaltigem Saft auch Botrytis an. Besonders bei Rotweintrauben ist dies auch kein gern gesehener Gast, schon gar nicht, wenn Maischegärung geplant ist. Die weitere mittelfristige Wetterentwicklung soll sich eher im unbeständigen und kühleren Bereich einpendeln. Sofern die Nachttemperaturen im einstelligen Bereich angesiedelt sind und keine permanente Nässe herrscht ist die Gefahr einer massiven Essigbildung als eher gering einzustufen. Kühle Nächte fördern auch die Aromabildung.

(Quelle: Rebschutzdienst Heilbronn  – 19.09.2016

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