Status aus den Weinbauregionen – Stand 28.06.-01.07.2016

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Region Mosel – Stand: 30.06.2016

Lage: Der Blüteverlauf gestaltet sich sehr unterschiedlich. Bei frühen Standorten und Sorten ist bereits ein deutliches Streckenwachstum des Stielgerüsts erkennbar. Späte Lagen befinden sich in der abgehenden Blüte. Durch die permanenten Niederschläge und Taubildung in Kombination mit täglich auslaufenden
Inkubationszeiten finden permanent Infektionen durch die Peronospora statt. Unmittelbar in die abgehende Blüte soll eine Behandlung stattfinden, falls noch nicht geschehen. Dieser Spritztermin ist gerade für Hubschrauberflächen besonders wichtig. Unabhängig vom Hubschraubertermin wird von uns eine Applikation vom Boden aus empfohlen. Zügig und schnell sollten anstehende Laubarbeiten wie z.B. eine Teilentblätterung durchgeführt werden, damit Pflanzenschutzmittel besser angelagert werden können, aber auch Nässe schneller abtrocknen kann. Zur besseren Applikationsqualität sollte jede Gasse befahren werden. Die genannten Mittelangaben beziehen sich auf Basisaufwand x Faktor 3 und stellen die tatsächlich je Hektar auszubringende Mittelmenge dar.

Peronospora:

Das Peronospora Infektionsrisiko ist immer noch sehr hoch. Neben Lagen, an denen die Pero deutlich infizieren konnte und es bereits jetzt zu erheblichen Ertragseinbußen gekommen ist, sind Areale im Beratungsgebiet (fast) befallsfrei. Auch ohne Niederschläge ermöglichen lange Blattnässephasen durch Taubildung permanente Neuinfektionen. Daher empfehlen wir weiterhin kurze Spritzabstände mit tiefenwirksamen Mitteln im Abstand von 8 bis 10 Tagen. Wichtig ist hierbei das Resistenzmanagement zu beachten. Wichtig ist es, dass Sie Ihre Anlagen auf Befall kontrollieren. Wir konnten auch Anlagen sehen, in denen
wir keine Blattsymptome ausmachen konnten, aber dafür massiver Gescheinsbefall. Bei Profiler sollten keine Phosphonate zugesetzt werden! Bezüglich einer Zumischung von Veriphos zu anderen tiefenwirksamen Peronospora-Fungiziden liegen keine ausreichenden Versuchsergebnisse zur Wirksamkeit vor. Soll mit den Behandlungen nach der Blüte auch ein Magnesium-haltiger Blattdünger zur Vorbeugung von Stiellähme ausgebracht werden, sind Mischungsprobleme nicht ausgeschlossen. Generell sollte die Anzahl an Blattdüngern in der Tankmischung so gering wie möglich gehalten werden.
A/B: Equation Pro (0,48 kg/ha)
B: Aktuan (1,5 kg/ha)
C: Forum Gold und Forum Star (je 1,44 kg/ha), Melody Combi (1,8 kg/ha), Pergado (2,4 kg/ha),
Vincare und Vinostar (je 1,5 kg/ha)
D: Fantic F (1,8 kg/ha)
E: Electis (2,16 kg/ha)
F: Mildicut (3,0 l/ha), Sanvino (1,125 kg/ha)
P: Profiler (2,25 kg/ha)
S: Enervin (3,0 kg/ha)
S/C: Orvego (1,2 l/ha)

(Quelle: DLR Mosel – 30.06.2016)

Region Nahe – 29.06.2016

Endlich mal ein paar Tage, in denen die Wetterprognose keine Ängste auslöst. Zumindest bis Anfang kommender Woche sieht es nach entspannter Frühsommerwitterung aus: Moderat, für die Reben aber hinreichend warme Tage mit Tagesmaxima um 25 °C in einem Wolken-Sonne-Mix. Der ein oder andere kurze Regenschauer ist möglich, aber definitiv keine meteorologische Hexenküche, in der die Peronospora weiter sprießt und gedeiht. Zu Beginn kommender
Woche, voraussichtlich ca. Dienstag, könnte eine kurze, eventuell gewittrige Störung über uns hinwegziehen und für den weiteren Verlauf der Woche sieht es eher nach einer Fortsetzung der jetzigen Wetterlage aus, was dann allerdings in Anbetracht der Prognosedauer bereits mit großer Unsicherheit behaftet ist. In unserer Referenzfläche Kahlenberg verzeichnen wir die abgehende Blüte für den 23. Juni. Das wäre 4 Tage später als das Mittel seit 1990, aber 5 Tage früher als das Mittel 1960-1989. Auf den spätesten hoch gelegenen Standorten im Dienstbezirk an der oberen Nahe und in der Peripherie des Anbaugebietes beginnt momentan die Blüte und dürfte dort in Anbetracht der Wetterprognose ca. um den 5. Juli abgeschlossen sein. Das Charakteristikum unseres Dienstbezirks, die sehr große Spanne in der phänologischen Entwicklung zwischen den frühesten und den spätesten Standorten, bewahrheitet sich also auch in diesem Jahr wieder. In den wärmsten Ecken im Bopparder Hamm haben wir gestern bei Riesling Beerendicken angetroffen, die an Erbsengröße (Sortierung „extra fein“) heranreichten.
Von Extremstandorten abgesehen, haben wir es wieder mit einer phänologischen Spannbreite von 2 Wochen zu tun. Je nach Standort, Rebsorte und Spritzrhythmus kann die nächste anstehende Behandlung demnach sowohl eine Behandlung in die Blüte als auch bereits eine zweite Nachblütenbehandlung sein.

Peronospora:
Die „Epizentren“ der Peronospora in Rheinland-Pfalz, das südliche Rheinhessen, Teile der rheinhessischen Rheinfront und Teile der Pfalz haben eine Gemeinsamkeit: Phänologisch frühe Standorte und relativ hohe Niederschlagsmengen bei einem Gewitter am Nachmittag des 13. Mai, vielfach als Starkregen (z.B. Gundheim 43 mm in einer Stunde), die offensichtlich eine heftige erste Welle von Bodeninfektionen ausgelöst haben. Hier gab es während des
Zeitraums der starken Niederschläge zwischen dem 27. und dem 31. Mai als Ergebnis dieser Bodeninfektionen bereits aktive Pilzrasen auf den Blättern. Wenn dann bei der davorliegenden Spritzung lediglich ein Kontaktmittel ausgebracht worden ist, das in Anbetracht der enormen Niederschlagsmengen zum Teil abgewaschen wurde, ergab sich daraus eine teuflische Mischung, deren Folgen spätestens seit ca. dem 10. Juni unübersehbar wurden.
In allen Regionen, in denen es erst zwischen dem 27. und dem 31. Mai zu ersten Bodeninfektionen kam, bietet die Situation zwar Anlass zu höchster Achtsamkeit, aber sie ist überwiegend nicht dramatisch. Soweit an Nahe, Mittelrhein und den angrenzenden rheinhessischen Gemarkungen starker Befall anzutreffen ist,
handelt es sich, soweit unsere lückenhaften Eindrücke nicht täuschen, vielfach um Flächen, die sich in einem schlechten Pflegezustand befinden, der auch gewisse Nachlässigkeiten im Pflanzenschutz vermuten lässt. Darüber hinaus sind auch Flächen betroffen, bei denen hinsichtlich Mittelwahl oder Terminierung von Behandlungsmaßnahmen offenkundlich falsche Entscheidungen getroffen wurden.
Eine nochmalige Infektionswelle dürfte durch die z.T. sehr starken Niederschläge am Freitag/Samstag letzter Woche ausgelöst worden sein. Ab dem anstehenden Wochenende könnte die Zahl der Ölflecken bzw. Pilzrasen insbesondere in derzeit schon stärker betroffenen Anlagen daher nochmals deutlich ansteigen. Die Farbampel von Vitimeteo zeigt das, was man in Anbetracht der zurückliegenden und prognostizierten Witterung vermuten darf. Viele dunkelrote Tage in den letzten vier Wochen (starke Infektionen) und grüne (kein Infektionsrisiko) bzw. schwachrote Tage (schwache Infektionen möglich) für den bevorstehenden einwöchigen Zeitraum. Für die praktischen Konsequenzen die aus schwachen Infektionen resultieren können, spielt die Epidemiologie, die
ihrerseits auf Statistik basiert, eine wichtige Rolle. Vereinfacht ausgedrückt: Hinsichtlich der Folgen ist es ein großer Unterschied, ob 1 % von 1000 Sporen oder 1 % von 1 Million Sporen infizieren. Konkret: An einem Rebstock, der bereits viele Pilzrasen, also ein sehr hohes Sporenangebot aufweist, kann auch eine schwache neue Infektion zu einer weiteren Eskalation beitragen.
Was bedeutet das für den Praktiker? In Anlagen, in denen die Gescheine sauber geputzt sind, eine deutliche Verdickung der Beeren bereits eingesetzt hat und auch Anfang kommender Woche nur wenige Ölflecken/Pilzrasen anzutreffen sind, kann man allmählich aufatmen. In Anlagen, die noch in der Blüte stecken und viele aktive Pilzrasen aufweisen, besteht trotz meteorologischer Entspannung weiterhin hohe Gefahr. Das muss bei der Mittelwahl und den Spritzabständen berücksichtigt werden. Die differenzierte phänologische und epidemiologische Situation lässt generalisierende Empfehlungen nicht zu. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die von Betrieb zu Betrieb unterschiedliche Produktauswahl in den zurückliegenden Wochen vor dem Hintergrund des Antiresistenzmanagement Konsequenzen für die infrage kommenden Produkte bei der anstehenden Spritzung hat. Sofern nicht auf Vorrat eingekauft wurde, engt die temporär bzw. regional begrenzte Verfügbarkeit einiger Produkte den Entscheidungsspielraum weiter ein. Nur in Flächen, in denen die Beerenentwicklung bereits weit fortgeschritten ist, die nächste Spritzung erst in der kommenden Woche ansteht und dann auch noch weitgehend befallsfrei sind, kann über den Einsatz ausschließlich eines Kontaktmittels nachgedacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die derzeit positive Wetterprognose Bestand hat. Der Zusatz von Veriphos verbessert dort den Schutz des Neuzuwachses deutlich, der aufgrund der üppigen Wasserversorgung, abgesehen von staunassen Böden, in den nächsten Wochen sehr hoch bleiben wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass für den weitaus überwiegenden Teil aller Flächen tiefenwirksame Produkte weiterhin klare Präferenz genießen. Die vertretbaren Spritzabstände variieren in Abhängigkeit von dem skizzierten Gefahrenrisiko zwischen ca. 8 und 12 Tagen. Bei Profiler sollte kein Veriphos zugesetzt werden! Bezüglich einer Zumischung von Veriphos zu anderen tiefenwirksamen Peronospora-Fungiziden liegen zurzeit keine ausreichenden Versuchsergebnisse zur Wirksamkeit vor. Insbesondere beim Einsatz phosphonathaltiger „Blattdünger“ können aufgrund veränderter pH-Werte und Salzgehalte Mischungsprobleme und in Kombination mit weiteren Blattdüngern Verbrennungen auftreten. Wir empfehlen bei Tankmischungen die Anzahl der Mischungspartner möglichst gering zu halten und Blattdünger ggf. separat auszubringen.

Geeignete Produkte (Wirkstoffklassen beachten!) wären:

–  A/B: Equation Pro (0,48 kg/ha)
– B: Aktuan (1,5 kg/ha)
– C: Forum Gold und Forum Star (je 1,44 kg/ha), Melody
Combi (1,8 kg/ha), Pergado (2,4 kg/ha), Vincare und Vinostar
(je 1,5 kg/ha)
– D: Fantic F (1,8 kg/ha)
– E: Electis (2,16 kg/ha)
– F: Mildicut (3,0 l/ha), Sanvino (1,125 kg/ha)
– P/Q: Profiler (2,25 kg/ha)
– Q: Veriphos (3 l/ha); dabei zusätzlich ein Kontakt- oder
tiefenwirksames Mittel einsetzen!
– S: Enervin (3,0 kg/ha); empfohlen erst ab 1. Nbl.-behandlung
– S/C: Orvego (1,2 l/ha)
Oidium:
Bisher beschränkt sich Oidium im Dienstbezirk weitestgehend auf Minimalschnittanlagen in einem fragwürdigen Pflegezustand. Erschwerend kommt dort die in diesem Jahr besonders hohe Wuchskraft hinzu, die die in vielen Fällen ohnehin kritische Applikationsqualität weiter verschlechtert. Derzeit befinden sich alle Anlagen aufgrund ihres phänologischen Zustands noch in dem sogenannten „Oidiumfenster“, in dem die Anfälligkeit der jungen Beeren sehr hoch ist. Erst ab ca. 14 Tage nach Blüteende geht die Anfälligkeit allmählich zurück – vorausgesetzt, die Trauben sind bis dahin befallsfrei!
Ein erhöhtes Risiko besteht in allen Anlagen mit einer sehr ungleichmäßigen phänologischen Entwicklung. Das sind neben den Minimalschnittanlagen in diesem Jahr auch die Anlagen, in denen es zu Frostschäden kam und bei denen es auf Trieben aus Beiaugen zu einer verzögerten Entwicklung weiterer Gescheine gekommen ist. Bei den 3 Behandlungen im „Oidiumfenster“ (letzte Vorblütebehandlung, abgehende Blüte, erste Nachblütebehandlung) sind die organischen Fungizide zu bevorzugen, denen derzeit das höchste Wirkungspotenzial beigemessen wird. Das wären Luna experience (0,375 l/ha), Collis (0,48 l/ha), Dynali (0,6 l/ha), Vivando (0,24 l/ha) und Talendo(extra) (0,3 l/ha). Zum Stadium „abgehende Blüte“ sollte vorrangig und einmalig das Mittel Luna Experience eingesetzt werden, falls es nicht bereits eingesetzt wurde. Das Mittel sollte nach Empfehlung der Fa. Bayer nicht zusammen mit Profiler eingesetzt werden. Achten Sie dabei darauf, dass die zur gleichen Wirkstoffklasse gehörenden Produkte Luna experience und Collis nicht unmittelbar aufeinanderfolgen. Produkte ausschließlich auf der Basis von Azolen (z.B. Topas) oder Strobilurinen (z.B. Flint) sind vorläufig noch tabu. Grundsätzliche Empfehlungen zur Oidiumstrategie finden sich im Hinweis vom 4. Mai. In Anlagen mit sichtbarem Befall sollte eine Zwischenspritzung mit Kumar (bis 5 kg/ha) oder Vitisan /bis 9 kg/ha plus Netzmittel) in Kombination mit Netzschwefel in voller zugelassener Aufwandmenge durchgeführt werden. Diese Behandlung ist abhängig vom Befall eventuell in einem Abstand von einer Woche zu wiederholen. Aufgrund der in diesem Jahr außerordentlich guten Wasserversorgung und in Anbetracht der Wetterprognose ist das Risiko von Blattverbrennungen derzeit gering.
Botrytis:
Verbreitet ist in den letzten Wochen neben Blattbotrytis auch Gescheinsbotrytis aufgetreten. Zu ernsthaften Ausfällen ist es jedoch nicht gekommen. Ein erhöhtes Risiko, insbesondere auch für latente Infektionen, die in der Reifephase aufbrechen können, besteht an jungen Trauben mit viel anhaftenden totem organischen
Material (Blütenkäppchen, Heuwurmgespinste etc.). In bereits abgeblühten Anlagen scheint es nicht zu ernsthaften Blütestörungen gekommen zu sein und für die noch blühenden Anlagen sind von meteorologischer Seite die Voraussetzungen für einen weitgehend problemlosen Blüteablauf gegeben. Dennoch gibt es beim „Putzen“ der Gescheine sortenabhängig große Unterschiede. Mancherorts sind in erheblichem Umfang nicht abgefallene Staubbeutel und Blütenkäppchen zu beobachten. Von starkem Heuwurmbefall sind wir offensichtlich verschont geblieben. Der Einsatz eines Spezialbotrytizids bereits zum jetzigen Zeitpunkt dürfte nur in Ausnahmenfällen Sinn machen. In der Regel sind die Behandlungstermine „Traubenschluss“ und „um oder kurz nach Reifebeginn“ wichtiger. Nähere Informationen dazu im nächsten Hinweis. Sofern in die Peronospora- und Oidiumstrategie Mittel hineinpassen, die auch eine Botrytiswirkung aufweisen, sollte
dieser Zusatzeffekt genutzt werden. Das wären in erster Linie alle folpethaltigen Peronosporafungizide sowie die Oidiumfungizide Luna experience und Collis. Je nach Gerätetechnik kann auch eine frühe Teilentblätterung das Putzen der jungen Trauben verbessern.

(Quelle: DLR R-N-H – Dienststelle Bad Kreuznach 29.06.2016)

Region Pfalz – 28.06.2016

Die Blüte verläuft lagenweise sehr unterschiedlich. Zum Teil befinden sich die Reben noch im Stadium „abgehende Blüte“, teilweise sind die Beeren schon Stecknadelkopfgroß. In sehr frühen Lagen und Sorten ist bereits das Stadium „Erbsengröße“ erreicht. Damit sind die meisten Reben immer noch in ihrer anfälligsten Phase! Die Rebenentwicklung wird bei der vorhergesagten milden Witterung weiter zügig voranschreiten. Pflanzenschutzmaßnahmen sind mancherorts immer noch schwierig durchzuführen. Dort, wo die Böden angetrocknet sind, wird empfohlen, auch für die erste Nachblütebehandlung jede Gasse zu
befahren. Zum Stadium „abgehende Blüte“ ist, sofern noch nicht erfolgt, unbedingt eine Behandlung durchzuführen. Der Spritzabstand sollte der Entwicklung der Rebe und dem Befallsdruck angepasst werden, sodass die nächste Behandlung (erste Nachblütebehandlung) eventuell schon im Abstand von acht Tagen notwendig sein wird. Pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwis) sollten aufgrund des weiterhin hohen Infektionsrisikos mit behandelt werden. Jungfelder und Reben in Rebschulen sind momentan besonders gefährdet. Die Mittelangaben beziehen sich auf das Stadium Fruchtansatz (ES71), Basisaufwand x 3,0.

Peronospora:

Aufgrund der vorhergesagten wechselhaften Witterung ist das Peronospora-Risiko weiterhin hoch. Lagenweise ist ein massiver Gescheins- und Blattbefall durch die Peronospora zu beobachten und braune Gescheine werden nun sichtbar. Auch wenn Ölflecke verbräunen oder ausgebrannt erscheinen, ist bei feuchten Bedingungen von einer weiteren Sporenbildung an den Rändern der Ölflecke auszugehen. Die Inkubationszeiten laufen nahezu täglich ab, Infektionen sind weiterhin an der Tagesordnung. Daher wird empfohlen, weiterhin kurze Spritzabstände von 8 Tagen einzuhalten und zum Schutz der jungen
Beeren tiefenwirksame Mittel einzusetzen, z.B. Enervin (3,0 kg/ha; S), Orvego (1,2 l/ha; S/C) oder Pergado (2,4 kg/ha; C). Bei Profiler sollte kein Veriphos zugesetzt werden! Bezüglich einer Zumischung von Veriphos zu anderen tiefenwirksamen Peronospora-Fungiziden liegen zurzeit keine ausreichenden Versuchsergebnisse zur Wirksamkeit vor. Insbesondere beim Einsatz phosphonathaltiger „Blattdünger“ können aufgrund veränderter pH-Werte und Salzgehalte Mischungsprobleme und in Kombination mit weiteren Blattdüngern Verbrennungen auftreten. Wir empfehlen bei Tankmischungen die Anzahl der
Mischungspartner möglichst gering zu halten und Blattdünger ggf. separat auszubringen. Peronospora-Fungizide mit tiefenwirksamen Komponenten:

Wirkstoffgruppe A/B: Aktuan (1, 5 kg/ha; B), Equatio Pro (0,48 kg/ha; A/B);
Wirkstoffgruppe C: Forum Gold (1,44 kg/ha), Forum Star (1,44 kg/ha), Melody Combi (1,8 kg/ha), Pergado (2,4 kg/ha), Vincare (1,5 kg/ha), Vinostar (1,5 kg/ha);
Wirkstoffgruppe D: Fantic F (1,8 kg/ha)
Wirkstoffgruppe E: Electis (2,16 kg/ha);
Wirkstoffgruppe F: Mildicut (3,0 l/ha), Sanvino (1,125 kg/ha);
Wirkstoffgruppe P: Profiler (1,875 kg/ha);
Wirkstoffgruppe S/C: Enervin (3,0 kg/ha); Orvego (1,2 l/ha).

Oidium:

Die jungen Beeren sind nun sehr empfindlich. Auch wenn die häufigen Niederschläge Oidium in den Hintergrund gedrängt haben, besteht
weiterhin ein hohes Infektionsrisiko. Erste Infektionen an den Beeren sind zu erkennen. In späten Lagen bzw. Anlagen mit spätreifenden Sorten wird zum Stadium „abgehende Blüte“ der einmalige Einsatz von Luna Experience (0,375l/ha; L/G) empfohlen. Dieses nach Empfehlung der Firma Bayer nicht gemeinsam mit Profiler einsetzen. Zur Oidium-Vermeidung sollten weiterhin organische Oidiumfungizide eingesetzt werden, z. B. Dynali (0,6 l/ha; R/G), Talendo (0,3 l/ha;
J), Vegas (0,36 l/ha; R) oder Vivando (0,24 l/ha; K). Strobilurin-haltige Mittel sollten frühestens ab der zweiten Nachblütebehandlung und nur in befallsfreien Anlagen eingesetzt werden.

(Quelle: DLR-Rheiinpfalz – 28.06.2016)

Region Rheinhessen – 27.06.2016

Lage: Eine alte Bauernregel besagt, dass das Wetter des Siebenschläfertages (27.6.), noch sieben Wochen anhält. Bitte nicht! Nach Auswertungen von meteorologischen Daten stimmt dies in etwa 60% der untersuchten Jahre. Also eine erhöhte Tendenz, aber keine Zwangsläufigkeit! Nach dem Ende der Blüte nehmen die kleinen Beeren jetzt rasant an Volumen zu. Dies führt zu einer raschen Verdünnung der Spritzbeläge, allerdings nimmt im Gegenzug die Anfälligkeit der jungen Beeren gegen Peronsopora ab, da sich die Spaltöffnungen schließen. Das Stielgerüst bleibt allerdings noch länger anfällig. Für den Oidiumpilz gilt dies allerdings nicht.

Mittelmenge: Basisaufwand x 3,0 Brüheaufwand: 300-600 l/ha

Peronospora:

Das Peronosporarisiko ist weiterhin hoch. Lagenweise ist ein massiver Gescheins- und Blattbefall durch die Peronospora zu beobachten – bis hin zum Totalausfall. Durch starken Blattverlust und der Tatsache, dass der Pilz auch die noch grünen Triebachsen befällt, können Folgeschäden für das nächste Jahr nicht ausgeschlossen werden. Deshalb auch Anlagen mit extremen Gescheinsbefall nicht „aufgeben“ und weiter behandeln. Auch wenn diese Woche etwas Entspannung gebracht hat, bleibt die Lage angespannt. Inzwischen finden sich vermehrt Ölflecke in der oberen Laubwand. Ein Teil davon dürfte aber durch den anstehenden Laubschnitt rasiert werden. An den Empfehlungen ändert sich aber leider nichts: In stärker befallenen Anlagen sollten die Spritzabstände nicht mehr als 8-10 Tage betragen. Falls stärkere Regenfälle gemeldet werden, möglichst vorher behandeln. Spritzungen mit Kontaktmitteln sind nach wie vor zu riskant und gegebenenfalls nur dort vertretbar, wo geringer Befall vorliegt. Deshalb entweder tiefenwirksame Präparate verwenden oder Veriphos mit Kontaktmitteln kombinieren.

(Quelle: DLR R-N-H – Dienststelle Oppenheim – 27.06.2016)

Region Rheingau – 30.06.2016

Kirschessigfliege 2016
Aufgrund des milden Winters dauerte der Flug der Kirschessigfliege bis Anfang Januar auf einem recht hohen Niveau an, seitdem aber dümpelt der Flug auf einem nur niedrigen Niveau.

Situation im Obstbau
Hierbei zeigt sich aber, dass die Fallenfänge nur das Vorhandensein der Kirschessigfliege anzeigen. Somit könnte man vermuten, dass derzeit aufgrund des feuchten Wetters wenig Befallsdruck herrscht. Im Gegensatz dazu beobachten jedoch die Kollegen aus dem Obstbau einen sehr frühen und starken Befall in Erdbeeren, Kirschen und Himbeeren. Auch hier zeigen die Fallen in den betroffenen Kulturen einen relativ niedrigen Flug auf.
So wurde bereits am 06.06. 2016 eine massive Vermadung an Frühkirschen in Bad Vilbel gefunden, und ab dem 07.06.2016 wurden Vermadungen in Beständen von Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen festgestellt. Die Befallsgrade lagen hier zwischen 8 und 100 % des Erntegutes. Anhand der gefunde-nen Insektenpuppen konnten diese Schäden eindeutig der KEF zugeordnet werden.
In der 25. Kalenderwoche 2016 wurden weitere Fälle von vermadeten Früchten gefunden. Auch hier waren Erdbeeren, Himbeeren und frühe Kirschen betroffen. In einem Erdbeerbestand wurde bereits in der 24. Kalenderwoche 2016 ein umfänglicher Befall mit KEF festgestellt, während in der auf dieser Fläche aufgehängten Falle keine Fliege gefangen wurde. Nach geringem Befall im Jahr 2015 und bis-her sehr niedrigen Fangzahlen im Jahr 2016 zeichnet sich ein deutlich stärkerer Befall mit der KEF ab. Die bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt festgestellte Vermadung der für die KEF attraktiven Früchte ist stärker und umfassender als im Vorjahr. Der bereits jetzt feststellbare Befall lässt den Schluss zu, dass die Kirschessigfliege in der Saison 2016 in Hessen den Obsterzeugern mehr Schwierigkeiten be-reiten dürfte als im Jahr 2015.
Situation im Weinbau
Diese Entwicklung im Obstbau in Verbindung mit der derzeitigen warm-feuchten Witterung die KEF entgegenkommt, lässt nichts Gutes für den Weinbau erwarten. Gerade in einem Jahr wie 2016 kommt der Durchlüftung der Anlagen und dem damit zu beeinflussenden Mikroklima höchste Bedeutung zu. Zu erreichen ist dies durch:
 Termingerechte Laubarbeiten
 Kräftiger Laubschnitt
 Entblätterung der Traubenzone
 Regelmäßiges Mulchen
Zur Gefahreneinschätzung und möglichen Bekämpfungsmaßnahmen ist es unerlässlich den Flugver-lauf genau zu beobachten. Dazu führt das Dez. Weinbau ein begrenztes Fallenmonitoring durch. Um aber eine breit aufgestellte Datenbasis zu erhalten, ist auch in diesem Jahr wieder die Unterstützung durch die Winzer erforderlich. Das Fallenmonitoring bei gefährdeten roten Sorten sollte etwa ab einem Reifegrad von 50-55° Öchsle starten. Wenn Sie hierbei unterstützend tätig werden wollen, setzten Sie sich bitte mit Frau Claudia Jung in Verbindung (Tel.: 06123 9058-28, claudia.jung@rpda.hessen.de). Eine begrenzte Anzahl Fallen ist noch beim Dezernat Weinbau Eltville verfügbar und kann dort gerne abgeholt werden.

(Quelle: RP Darmstadt, Dez. Weinbau, Wetterfax Weinbau – 30.06.2016)

Region Baden – 01.07.2016

Kurzinfo…
 Phänologie: Im Allgemeinen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium BBCH 69 – 73. In sehr frühen Lagen ist demnächst mit dem Beginn des Traubenschlusses (BBCH 77) zu rechnen.
 Rebenperonospora: Es besteht immer noch extrem hoher Infektionsdruck!!! Blatt – und Gescheinsbefall sind in allen Gemarkungen vorhanden.
 Oidium: Befall ist ebenfalls vorhanden.
 Botrytis, Essigfäule: Behandlung vor Traubenschluss einplanen.
 Traubenwickler: Fallen neu mit Pheromon bestücken und weiterhin kontrollieren.

Stand der Entwicklung:
In den meisten Rebflächen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium Ende der Blüte (BBCH 69) bis schrotkorngroße Beeren (BBCH 73). In den ganz frühen Lagen werden im Verlauf der kommenden Woche die Stadien erbsengroße Beeren bzw. Beginn des Traubenschlusses (BBCH 75 bzw. 77) erreicht. Die phänologische Entwicklung der Reben ist besonders in diesem Jahr hinsichtlich des Gebietes, der Lage und der Rebsorte nach wie vor sehr uneinheitlich. Wir liegen immer noch etwa eine Woche hinter dem langjährigen Mittel.
Rebenperonospora:
In allen Weinbauregionen wird verstärkt Blatt- und auch Gescheinsbefall beobachtet, der stark unterschiedlich ist. Es gibt so gut wie keine befallsfreien Rebanlagen mehr. Der Infektionsdruck ist trotz der verhältnismäßig geringen Niederschläge der letzten 10 Tage noch sehr hoch. Bei den nächsten Gewittern oder länger anhaltenden Regenfällen ist mit weiteren Infektionen zu rechnen, da derzeit außergewöhnlich viele Ölflecke vorhanden sind. Die Gescheine und kleinen Trauben sind für die Rebenperonospora immer noch anfällig. Erst während und vor allem nach dem Ende des Traubenschlusses nimmt die Anfälligkeit ab. Die nächsten Behandlungen sind nach wie vor sehr wichtig. Vor den nächsten Niederschlägen sollte eine Applikation mit einem vorbeugenden Präparat wie z.B. Delan WG, Dithane NeoTec, Enervin, Folpan 80 WDG, Mildicut oder Polyram WG in Kombination mit dem Präparat Veriphos durchgeführt werden. Beim Einsatz des Präparates Veriphos (Wirkstoff Kaliumphosphonat) ist der Zusatz eines vorbeugenden Präparates erforderlich, da Phosphonate in erster Linie das zuwachsende Gewebe schützen. Die Kombination eines vorbeugenden Präparates mit Veriphos erhöht in starken Wachstumsphasen die Wirkung und ist derzeit sinnvoll. Eine Alternative hierzu ist das Produkt Profiler. Der Einsatz von Profiler sollte in der Vegetationsperiode nur einmal erfolgen (Empfehlung der Fa. Bayer). Eine Alternative zu der Kombination Kontaktfungizid mit Veriphos bieten Präparate, die in die Reborgane eindringen. Dies sind vor allem die kurativen Präparate wie z.B.: Aktuan, Forum Gold, Forum Star, Melody Combi, Fantic F, Orvego, Pergado, Ridomil Gold MZ, Sanvino oder Vincare. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Information in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2016“). Die örtliche Weinbauberatung gibt rechtzeitig Hinweise zur Terminierung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region heraus. Bitte beachten Sie auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).

(Quelle: WBI Freiburg – 01.07.2016)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *