Kommt eine Zuckerkrise?

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Zucker ist knapp. Nicht nur am Weltmarkt, wo sich zuletzt die Notierungen für Roh- wie Weißzucker nochmal um über 2 Prozent nach oben schraubten. Grund dafür sind Meldungen, wonach in Indien wegen anhaltender Trockenheit gut 8 Prozent weniger Ernte eingefahren wurde als in der Vorsaison. Dass Zucker aktuell auf einem 20-Monats-Hoch notiert, ist auch der Politik- und Wirtschaftskrise des bedeutenden Zuckerproduzenten Brasilien und dessen starker Währung Real geschuldet. Gerade weil vor den Toren der Europäischen Union derzeit Zucker gebraucht und die Preise attraktiv sind, herrscht am Binnenmarkt Flaute. Denn nur 85 Prozent des in der EU verbrauchten Zuckers ist über die Marktordnung gedeckt, der Rest soll als Importware aus Drittstaaten, insbesondere den sogenannten AKP-Staaten, kommen. 80 Länder dürfen im Rahmen der EU-Entwicklungspolitik zollfrei liefern, tun dies aber immer weniger. Schon 2014/15 lagen die Importe in die Union unter der Planmenge von 3 Mio. t. In diesem Jahr sieht es noch schlechter aus. „Aktuell haben wir in der EU weniger Zucker auf Lager als im Krisenjahr 2011/12″, so ein besorgter Rohwareneinkäufer. „Wenn die EU-Kommission nicht interveniert, gibt es ab August keinen Zucker mehr“, heißt es aus der Getränkebranche. Die Europäische Kommission weiß um die akute Verknappung. Sie taxiert bis Ende September einen historisch niedrigen Lagerendbestand, Maßnahmen will sie jedoch nicht ergreifen. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker sieht mit Verweis auf die offizielle Statistik die Situation weniger brisant. Marktmaßnahmen seien nicht notwendig. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass die Preise rasant nach oben gehen“. Zudem würden die Vorräte schon ab Juli mit den ersten Ernten aus Spanien und Italien aufgefüllt. Auch habe die EU-Kommission signalisiert, dass sie auf die Marktentwicklung ein Auge habe. Nachdrücklich wird von der Kommission betont, dass sie sich der schwierigen Marktlage für die Zuckererzeuger bewusst sei und ihre Maßnahmen gründlich abwäge. Die Waagschale ist offenbar zu Gunsten der europäischen Zuckerproduzenten ausgeschlagen.

(Quelle: Wein aktuell – Ausgabe 05/2016

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