Wuchs- und Austriebsstörungen in den Rebanlagen

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Wuchsstörungen und Triebstauchungen – Stand 25.05.2016
Mittlerweile ist man geneigt, zu sagen „…in jedem Jahr zu beobachtende Phänomen beschäftigt uns auch in diesem Jahr wieder. 2014 ist das Problem erstmals eskaliert, 2015 war es wieder etwas ruhiger. In den letzten Tagen hat uns eine Vielzahl von Anrufen erreicht oder Anschauungsmaterial wurde uns im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch gelegt. Mittlerweile werden die Probleme verstärkt in Rheinhessen, an der Nahe, in der Pfalz und in Baden beobachtet. Das Phänomen kann bei allen Rebsorten auftreten. Gehäuft in diesem Jahr wird über Probleme bei Dunkelfelder und Bacchus. Burgundersorten und Dornfelder berichtet.
Das Phänomen ist nicht nur ein Problem für die betroffenen Winzer, sondern auch für die Beratung. Es könne z.Zt. keine klaren Empfehlungen oder Lösungsvorschläge aufzeigt werden!
Das Schadbild unterliegt einer erheblichen Variabilität und auch die Intensität der Schädigungen schwankt. Man ist sich nicht sicher, ob es sich um eine oder möglicherweise sogar mehrere Schadensursachen handelt.

Sehr selten und nur bei sehr stark betroffenen Stöcken sterben Triebe bereits in der Austriebssphase oder kurz danach ab.

Abgestorbener Trieb

WHäufiger kommt es dazu, dass der Trieb in einem ganz stark gestauchten Stadium ohne klar erkennbare Triebspitze über einen längeren Zeitraum stehenbleibt und sich nicht weiter entwickelt.

Triebspitze

In anderen Fällen ist das Längenwachstum sehr stark gebremst und die Blätter bleiben sehr klein. Oft geht mit der Stauchung eine vorzeitige Geiztriebbildung einher.

Triebspitze Bogrebe

Manchmal sind alle Triebe auf einer Bogrebe betroffen, oft aber nur einzelne. Fast immer finden sich am Stamm vitale Wasserschosse.

Bogrebe

Das charakteristischste Merkmal des Phänomens ist ein „Durchstarten“ der Triebe ungefähr um den Blütezeitraum. Viele Triebe, die sich wochenlang kaum weiterentwickelt haben, beginnen dann zu wachsen, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Wachstumsschub

Die Koexistenz von stark, wenig und nicht betroffenen Trieben am gleichen Stock, das Durchstarten der Triebe um den Blütezeitraum und die Möglichkeit der Wiedergenesung im Folgejahr deuten nach unserer Einschätzung darauf hin, dass es sich eher um eine Schädigung der Triebe, möglicherweise bereits sogar der Augen, als um eine Schädigung des Stocks im Ganzen handelt.

Derzeit wird eine Vielzahl von Hypothesen als Erklärungsmuster diskutiert. Manches spricht für einen Einfluss saugender Schadorganismen wie Schild- und/oder Schmierläuse. Auch Thripse, saugende Milben können nicht ausgeschlossen werden. Falls es einen Zusammenhang gibt, bleibt immer noch unklar, ob es sich um eine direkte Schädigung, ausgelöst durch die Saugtätigkeit oder indirekte Schädigungen, z.B. in Form einer Virusübertragung, handelt????
Es existieren einige Beobachtungen, aus denen man positive Wirkungen eines Insektizideinsatzes ableiten könnte, es gibt aber auch Beobachtungen, die dagegen sprechen. Definitiv sind „Spontanheilungen“ möglich, d.h., in einem Jahr symptomatische Stöcke können im Folgejahr wieder vollkommen normal aussehen.
Der Vergleich benachbarter Rebflächen mit gleicher Rebsorte deutet in einigen Fällen darauf hin, als hätten die vom Bewirtschafter abhängigen unterschiedlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen einen Einfluss auf Schadenshäufigkeit und -intensität. Konkrete Verdachtsmomente hinsichtlich damit möglicherweise im Zusammenhang stehender Bewirtschaftungs- und insbesondere Pflanzenschutzmaßnahmen gibt es jedoch nicht.
Der Einsatz von Confidor gegen nachgewiesenermaßen vorhandene Thripse oder Schildläuse ist aufgrund der Bienengefährlichkeit erst nach der Blüte zulässig. Der Einsatz gegen einen unbekannten tierischen Schaderreger, von dem man nicht weiß, ob es ihn überhaupt gibt, wäre nicht nur unzulässig, sondern möglicherweise sogar nachteilig.
Losgelöst von diesem Problem gibt es in diesem Jahr vermehrt auch Fälle, in denen es sich definitiv um die Folgen eines Befalls mit Kräuselmilben handelt, der aufgrund eines unzureichenden Besatzes mit Raubmilben vorrangig in jungen Ertragsanlagen anzutreffen ist.

Kräuselmilbe

Die eindeutige Abgrenzung der Symptome zu dem vorher beschriebenen Problemkomplex ist oft schwierig.

Für die erste Schadensursache spricht das bereits beschriebene Durchstarten der Triebe ab ca. Blütezeitraum. Bei Kräuselmilbenbefall kommt es zwar auch oft zu einer allmählichen Normalisierung des Wachstums, von einem schlagartigen Durchstarten kann dabei jedoch keine Rede sein. Immer lassen sich bei Kräuselmilbenbefall an den basalen bereits etwas größeren Blättern eines betroffenen Triebs, oder an den größeren Blättern eines benachbarten weniger stark geschädigten Triebs beim Blick gegen das Licht die durch die Saugtätigkeit ausgelösten charakteristischen sternförmigen Aufhellungen erkennen.

Wuchstötung Frostschäden

In manchen Fällen könnte es sich bei den Wuchsstörungen auch um die Folgen einer Schädigung von Vegetationskegeln in der Austriebsphase durch die Spätfröste handeln. Wir ziehen diese Ursache aber nur in Anlagen in Betracht, in denen es auch in nennenswertem Ausmaß zu sichtbaren Frostschäden.

(Quelle: DLR R-N-H – Mitteilung 25.05.2016)

 

 

 

 

 

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