Aktuelle Rebentwicklung in den deutschen Weinanbaugebieten

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

DLR R-N-H Dienststelle Bad Kreuznach– Stand 04.05.2016
Nachdem man sich wettermäßig in der letzten April-Woche im falschen Film wähnte, macht der Frühling jetzt wieder das, was man von ihm erwartet. Die Natur schreitet sichtbar voran und der Aufenthalt im Freien bereitet Wohlbehagen. Die Freude ist jedoch nicht ungetrübt und in der Winzerschaft sehr ungleichmäßig verteilt.

Der überwiegende Teil darf sich darüber freuen, dass trotz einer ungewöhnlich langen Kälteperiode mit prognostizierten Tiefsttemperaturen im kritischen Bereich nochmals alles gut gegangen ist. Für andere steht in Anbetracht des Ausmaßes der jetzt eindeutig zu erkennenden Frostschäden bereits fest, dass 2016 ertragsmäßig nicht zu den Jahrgängen gehören wird, an die man sich gerne zurückerinnert.

Den Schadensschwerpunkt bilden die Gemeinden an der oberen Nahe. Hier finden sich beträchtliche Flächen, in denen die Augenausfälle einem Totalschaden nahe kommen. Auch in höheren Hanglagen finden sich dort Schäden sehr unterschiedlichen Ausmaßes, die in ihrer Gesamtheit über das Ausmaß von 2011 deutlich hinausgehen. Ansonsten erstrecken sich die Schäden zangenförmig ausgehend vom Bereich um Monzingen und Meddersheim vorrangig auf die Gemeinden an der nördlichen und südlichen Peripherie des Anbaugebietes Nahe. Der Kernbereich des Anbaugebietes rund um Bad Kreuznach, die Gemeinden an der unteren Nahe und die Gemeinden Richtung Rheinhessen bzw. im angrenzenden Rheinhessen sind wenig bis nicht betroffen. Die Beobachtungen und Rückmeldungen zeigen, dass in den betroffenen Gemarkungen manche Winzer das Ausmaß der Schäden noch nicht realisiert haben. Vom Mittelrhein liegen uns bisher keine Schadensmeldungen vor. In Anbetracht der Daten an den Wetterstationen sind dort vermutlich keine, allenfalls geringfügige Schäden zu erwarten.

Interessant ist die Beobachtung, dass Augen, die sich zum Zeitpunkt der Tiefsttemperaturen bereits im Stadium des Knospenaufbruchs befanden, die Fröste tendenziell besser überstanden haben, als Augen, die sich erst im Wollestadium befanden. Bei den sehr weit entwickelten Augen sind zwar oft die äußeren sich langsam abspreizenden Blättchen etwas geschwärzt, aber der große Vegetationskegel im Inneren ist noch intakt. In den sehr stark geschädigten Flächen ist auch ein Teil der Beiaugen erfroren. Der überwiegende Teil ist jedoch sichtbar am Drücken und wird mit zeitlicher Verzögerung dafür sorgen, dass die Bogreben ergrünen. Diesbezüglich darf man von einem zügigeren und vollständigeren Ergrünen ausgehen als in 2011. Offensichtlich geht die Fähigkeit der Beiaugen, ausgefallene Hauptaugen zu ersetzen, umso mehr zurück, je weiter die Vegetation zum Zeitpunkt des Frostereignisses bereits fortgeschritten war. Beim Gescheinsansatz auf den Trieben aus Beiaugen ist von erheblichen Sortenunterschieden auszugehen. Während man z.B. in stark geschädigten Flächen mit Burgundersorten noch auf eine kleine Ernte hoffen darf, muss man bei anderen Sorten (z.B. Muskateller, Traminer) davon ausgehen, dass Gescheine Exotenstatus genießen werden. Der diesbezügliche Erfahrungsschatz aus den letzten Jahrzehnten ist (glücklicherweise) gering.

Der ca. einwöchige Vegetationsstillstand hat dazu geführt, dass in unserer Referenzfläche Riesling Kahlenberg aus der Mitte April angestellten Schätzung des Austriebstermins (26. April) jetzt der 3. Mai. geworden ist. Damit liegen wir exakt im Mittel der 60er bis 80er Jahre und 5 Tage später als im Mittel der Jahre seit 1990. Zeigt sich der Mai warm, wäre dieser Rückstand schnell aufgeholt.

Nach einer nochmals sehr kühlen Nacht wird sich der Mai ab Morgen von seiner besten Seite als Wonnemonat erweisen. Die Temperaturen werden angenehm, wenngleich noch nicht sommerlich. Für den Zeitraum der Eisheiligen (12. bis 15. Mai) sieht es derzeit nicht nach einem erneuten Kälteeinbruch aus. Zumindest bis ca. Mitte der kommenden Woche bleibt die Niederschlagswahrscheinlichkeit gering, was aber in Anbetracht der in diesem Jahr endlich mal wieder gut durchfeuchteten Böden kein Problem darstellt, sondern in mancher Hinsicht (z.B. anstehende Pflanzungen) höchst erwünscht ist.

 

DLR Mosel – Stand: 04.05.2016
Lagen- und sortenbedingt finden wir die Entwicklungsstadien „grüne Triebspitzen werden sichtbar“ bis hin zum Stadium „erstes Blatt entfaltet und vom Trieb abgespreizt“ = Austrieb, dies allerdings nur in sehr frühen Lagen.

In den nächsten Tagen sollten die steigenden Nachttemperaturen und sommerlichen Tagestemperaturen für eine zügige Weiterentwicklung sorgen und auch zum Austrieb in mittleren Lagen bis Wochenbeginn führen.

Die niedrigen Temperaturen führten teilweise zu erheblichen Frostschäden. Vor allen Dingen waren die bekannten Frostlagen (Mulden, Senken), aber auch Hangfüße, Täler mit nicht abfließender Kaltluft und flachere Lagen bei Windstille betroffen. Auch Junganlagen mit exzessiver Begrünung und/oder vorhandenen Pflanzröhren sind teils stark betroffen. Auch in diesem Jahr werden häufig Knospenschädigungen durch Fraß vom Rhombenspanner, aber auch Erdraupen, beobachtet.

 

DLR Rheinpfalz – Stand: 03.05.2016
Die letzte Aprilwoche zeigte sich ungewohnt winterlich mit Bodenfrösten und Graupelschauern. Vergangenen Freitag wurden Tiefstwerte bis – 2 °C um 6 Uhr morgens gemessen (Station Ellerstadt), am Boden war es noch etwas kälter. Die Tiefsttemperaturen verharrten aber nicht lange auf dem Niveau, daher kam die Pfalz sehr glimpflich davon. Lediglich Junganlagen mit bodennahen Trieben, häufig auch in Pflanzröhren oder Verbundkartonhüllen, wurden in ungünstigen Lagen Opfer der eisigen Nächte. Die windstille Kaltluft konnte sich in den Röhren regelrecht festsetzen. Daher sollten Schutzhüllen erst nach den Eisheiligen um die Reben gestülpt werden. Geschädigte Reben werden sich durch einen zweiten Austrieb regenerieren. Teilgeschädigte Triebe sollten vorerst stehen gelassen werden bis erkennbar ist, ob der Trieb sich normal weiter entwickelt. Bei jungen Trieben ist oft nur das erste Blatt verbräunt, die darin eingeschlossene Triebspitze ist aber noch intakt.

Dass auch Ertragsanlagen messerscharf an Schäden vorbeischrammten, zeigen Schadensmeldungen aus den Anbaugebieten Nahe und Mosel. Hier sind bei nur unwesentlich tieferen Temperaturen junge Triebe sowie Augen im Wollestadium erfroren, in Einzelfällen wurden dort Augenschäden bis zu 90 % festgestellt. Auch in Österreich, der Schweiz und in einigen Regionen Frankreichs wird von massiven Schäden berichtet, die auch flächenmäßig bedeutsam sind.

 

DLR Rheinhessen Dienststelle Oppenheim – Stand: 09.05.2016
Der Hauch von Sommer verabschiedet sich zum Wochenende erst einmal wieder. Die warmen Tage haben aber das Rebenwachstum ein gutes Stück voran gebracht. Ab Samstag macht sich die klassische kühle Eisheiligen-Periode bis zur kalten Sophie am 15. Mai noch hemmend bemerkbar. Obwohl Rheinhessen bisher nochmal glimpflich bei Spätfrost weggekommen ist, finden sich in Senken vereinzelt Frostschäden an den Außenblättern und das Wachstum der betroffenen Knospen ist verlangsamt.

 

Weinbaufax Franken – Stand: 09.05.2016
Die teils sommerlichen Temperaturen in der vergangenen Woche haben zu einem kräftigen Wachstum der Rebtriebe geführt. Meist ist das zwei bis drei Blattstadium erreicht. Am Untermain werden auch schon vier Blätter gezählt. Dagegen zeigen in von Frost betroffenen Anlagen die Beiaugen erst ein zartes Grün. Diese Woche bleiben uns die angenehmen Temperaturen erhalten. Mit zunehmend schwüler werdender Luft sind Regenschauer und Gewitter ab Donnerstag wahrscheinlich. Mit Beginn des Pfingstwochenendes klopfen die Eisheiligen nochmals an unsere Tür. Ein Kaltlufteinbruch aus nordwestlicher Richtung lässt die Tagestemperaturen bis Mitte nächster Woche nur knapp in den zweistelligen Bereich vorstoßen. Bei langem Aufklaren in der Nacht hält die Wettervorhersage auch Bodenfrost für möglich.

Frost:
Die Abkühlung zu Pfingsten könnte in ungünstigen Lagen und für Junganlagen, in denen die Austriebe sich nah am Boden befinden, nochmals Frostgefahr bedeuten. Daher ist es ratsam die Entfernung der Frostruten und das Ausbrechen in Senken und Hangfußlagen noch zurück zu stellen. Auch eine frische
Bodenbearbeitung und hoch gewachsene Begrünungen sind in frostgefährdeten Bereichen zu vermeiden.

Glücklicherweise stellen sich die Frostschäden aus der letzten Aprilwoche in den meisten Anlagen nicht so stark dar, wie zunächst angenommen. Allerdings gibt es auch Anlagen, in denen die ganze Hoffnung auf dem Beiaugenaustrieb ruht. Beachten Sie beim Niederziehen der Frostruten das wirkliche Ausmaß der Frostschäden. Denken Sie an die alte Winzerweisheit „Käfft Fassli, wenn Sie in der Wolln derfriern“.

In von Frost betroffenen Anlagen zeigen die Triebe oft einen Wuchs der an Kräuselmilbenbefall erinnert (kleine, runzelige, löffelförmige nach oben gerichtete Blättchen). Dies ist auf die tiefen Temperaturen zurückzuführen. Daher ist keine Behandlung notwendig.

 

Region Kaiserstuhl – Stand: 10.05.2016
Die aktuelle Wetteränderung bringt uns eine erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit, teilweise angekündigte Gewitter am Mittwochabend und eine deutliche Abkühlung. Insbesondere für Donnerstag und Freitag sind größere Regenmengen und durchgängige Blattnässe vorhergesagt. Da die Wintersporen aufgrund der Niederschläge (Monatswechsel April/Mai) keimbereit sind, kommt es mit den nächsten stärkeren Niederschlägen zu Bodeninfektionen (Primärinfektion) durch die Rebenperonospora.

Die momentane Rebenentwicklung bewegt sich zwischen dem 3-6 Blattstadium am Kaiserstuhl. Überwiegend sind 3-4 Blätter entfaltet. Durch den witterungsbedingt zögerlichen Austrieb ist momentan ein Vegetationsrückstand von ca. 8-10 Tagen zu beobachten.

 

Region Heilbronn – Stand: 06.05.2016
Der Rebenaustrieb wäre größtenteils erfreulich vollständig, hätten da nicht die Frostnächte in der letzten Aprilwoche die Reben geschädigt. Regional gibt es große Unterschiede. Hauptsächlich sind die bekannten Frostlagen betroffen. Im Unterland sind die Schäden im Bereich Heuchelberg/Stromberg am stärksten. Es gibt aber auch Gebiete, in denen erfreulicherweise keine Triebe erfroren sind. Die jetzt angesagte frühsommerliche Wetterphase wird dafür sorgen, dass auch bei den frostgeschädigten Reben entweder Beiaugen oder aber schlafende Augen aus dem Altholz schnell austreiben. Welcher Gescheinsansatz hier dann zu erwarten ist, lässt sich nicht vorhersagen. Allzuviel sollte man aber nicht erwarten. Zu Beginn des Monats Mai sind die Reben in warmen Lagen je nach Sorte bereits im 3-4 Blattstadium, während in kühleren Lagen zum Beispiel bei Riesling und den Burgundersorten erst einzelnes Grün sichtbar wird. Die Wettervorhersage meldet aktuell stabil warm, auch über die Eisheiligen hinaus, so dass die Reben kräftig wachsen werden.

Deshalb stehen die nächsten 2-3 Wochen die wichtigen Ausbrecharbeiten an, bei denen alle überzähligen Rebtriebe mit relativ geringem Zeitaufwand entfernt werden können. Auffällig ist dieses Jahr die hohe Zahl an Doppeltrieben, zum Beispiel bei Trollinger und auch bei den Burgundersorten. Der jeweils schwächere Trieb sollte dabei ebenfalls entfernt werden. Stickstoffdünger und damit auch „Volldünger“ können, falls noch nicht geschehen, jetzt gestreut werden. Bei stark frostgeschädigten Weinbergen kann auf Düngung ganz verzichtet werden.

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