Weinbestände in Deutschland und Rheinland-Pfalz

Christian PrinzNewsKommentar schreiben

Die Weinbestandsstatistik gibt Einblicke in die Marktentwicklung und –struktur für Wein. Die Bestände werden jeweils zum Ende des Weinwirtschaftsjahres (31.07.) erfasst. Es handelt sich daher um eine Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt. Nur der Vergleich über mehrere Jahre lässt Rückschlüsse auf tendenzielle Entwicklungen zu.

In die Statistik fließen alle Weinbestände von Unternehmen und Betrieben ein, die zum Stichtag über einen Bestand von mehr als 100 hl verfügen. Einbezogen werden Betriebe, die Wein zum Verkauf herstellen (=Erzeuger), sowie Unternehmen des Großhandels mit Wein (=Handel). Die Weinbestandsstatistik unterscheidet ferner nach Herkunft, Qualitätsstufen und Weinart.

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(Quelle: DLR R-N-H – Dienstsitz Oppenheim 08.02.2016)


Deutschland: Bestände von EU-Weinen überproportional angestiegen

Um die Nachfrage nach Wein gesichert und kontinuierlich decken zu können, ist ein gewisser Lagerbestand unerlässlich. Die Gesamt-Weinbestände in Deutschland beliefen sich zum Ende des Weinwirtschaftsjahres 2015 (31.07.) auf insgesamt 12,6 Mio. hl. Dies entspricht einem deutlichen Plus von 1,3 Mio. hl bzw. 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Die deutschen Weinvorräte setzten sich aus 8,6 Mio. hl deutschen Weinen, 3,5 Mio. hl EU-Weinen und 0,5 Mio. hl Weinen aus Drittstaaten zusammen.

Obwohl die Importe von EU-Weinen im gleichen Zeitraum (08/2014-07/2015) sogar geringfügig um 2,4% (290 Tausend hl) gesunken sind, waren die deutschen EU-Wein-Bestände 20% höher als ein Jahr zuvor. Die Deutschwein-Bestände sind 2015 um 702 Tausend Hektoliter bzw. 8,8% höher als ein Jahr zuvor ausgefallen.

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(Quelle: DLR R-N-H – Dienstsitz Oppenheim 08.02.2016)


Rheinland-Pfalz: Deutschwein-Bestände gewachsen

In Rheinland-Pfalz lagerten insgesamt 6,31 Mio. hl Wein, also rund die Hälfte der gesamten deutschen Weinbestände. Deutsche Weine (4,68 Mio. hl) stellen in Rheinland-Pfalz fast genau drei Viertel der Gesamtbestände. Die Bestände von Weinen aus anderen EU-Ländern (-1,2%) und Drittländern (-5,5%) sind in Rheinland-Pfalz gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Die Bestände von deutschen Weinen lagen 2015 zwar um 10,2% über dem Vorjahreswert, aber 3% unter dem 10-jährigen Mittelwert, der von den geringen Erntemengen 2010 und 2013 geprägt ist.

Die rheinland-pfälzischen Lagerbestände deutscher Weine entfallen zu 61% auf Weißweine und 39% auf Rotweine. Die Weißweinbestände (2,8 Mio. hl) sind gegenüber 2014 deutlich gestiegen(+18,8%) während die Rotweinbestände mit 1,8 Millionen leicht unter dem Vorjahresniveau lagen.
Die Lagerbestände von Wein verteilen sich auf Erzeuger und Handel. Bei rheinland-pfälzischen Erzeugern lagerten 2015 rund 14% mehr deutsche Weine (rot und weiß) als 2014, während es auf Handelsseite nur ein Plus von 4% war.

Bei Rotweinen waren die Handelsbestände sogar geringer als im Vorjahr (-8%), bei den Erzeugern lagen nur 3% mehr auf Lager. Entsprechend hoch war der Zuwachs bei Weißweinen deutscher Herkunft: Erzeuger +22%, Handel +13%. Dieses hohe Plus sollte jedoch nicht überbewertet werden, da im Vergleich zum 10-jährigen Mittel die Steigerung nur bei 1,8% (Erzeuger +5,4%, Handel -3,7%) liegt.

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(Quelle: DLR R-N-H – Dienstsitz Oppenheim 08.02.2016)


Bestand von weißen Qualitätsweinen gestiegen

Ein Blick auf die Abbildung Bestand von weißen Qualitätensweinen zeigt, dass bei Weißwein seit 2011 vor allem die Bestände von weißen Qualitätsweinen zugenommen haben, während die Kurve der Prädikatswein-Bestände tendenziell nach unten zeigt. Von 2014 auf 2015 ist der Bestand an weißen Qualitätsweinen um 23% auf 2,01 Mio. hl gewachsen.

Der Abgleich mit den Erntemengen zeigt, dass sich die Zunahme der Weißweinbestände nicht allein durch produktionsbedingte Faktoren erklären lässt. Nachfrage und Absatz auf den Märkten für deutschen Wein waren schwächer als in den vergangenen Jahren. Infolge der Weltwirtschaftskrise 2008 waren die Absatzzahlen vor allem im Export zurückgegangen, die Bestände waren im Gegenzug gewachsen. Auch die extrem kleine Ernte 2010 wirkt noch immer nach. Verlorene Marktanteile im In- und Ausland konnten nur zum Teil zurückgewonnen werden. Die Exportzahlen in vielen wichtigen Absatzländern sind rückläufig, was insbesondere die wichtigste Kategorie Weißwein belastet hat. Durch die Ukrainekrise ist zudem der russische Markt regelrecht eingebrochen. Die Absatzzahlen von Liebfrauenmilch und Weißweinen ohne Rebsortenangabe zeigen seit geraumer Zeit steil nach unten und können nur zum Teil durch Zuwächse bei anderen Produkten wie Riesling und Burgundersorten aufgefangen werden. In die gleiche Richtung weisen die Zahlen der GfK: Sinkende Käuferreichweiten sowie Einkaufsmengen pro Haushalt und damit verbundene Rückgänge im Absatz deutscher Weine auf dem heimischen Markt.

Die rheinland-pfälzische Weinmosternte 2015 ist nach vorläufigen Ergebnissen mit 5,9 Mio. hl nur leicht unterdurchschnittlich (ᴓ-10-Jahre: 5,99 Mio. hl) ausgefallen. Eine gute Ernte, die auf Weinbestände mittlerer Höhe trifft, rückläufige Exportmengen und gedämpfte Inlandsnachfrage könnten eine mögliche Erklärung für die derzeit unbefriedigende Situation auf dem Fassweinmarkt sein. Die Kellereien haben bei guter Bestandslage und einer mengenmäßig guten Ernte seit dem Herbst 2015 nur nach Bedarf gekauft. Es bestand kein Grund für überstürzte Käufe, da der Jahrgang 2015 als qualitativ gut gilt und auf dem Fassweinmarkt jederzeit Ware in gewünschter Qualität und Menge zur Verfügung steht.

(Quelle: DLR R-N-H – Dienstsitz Oppenheim 08.02.2016)

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