Das Ende des Pinot noirs?

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Deutsche Winzer gehören derzeit noch zu den Gewinnern der Klimaerwärmung? Kann ein deutscher Spätburgunder mit einem französischen Pinot noir mithalten? Noch vor etwa 15 Jahren hätte diese Frage einem Weinkenner nur ein müdes Lächeln entlockt. Das hat sich inzwischen geändert, und zwar wohl nicht allein dank der besseren Kenntnisse einer neuen Winzergeneration, sondern auch durch höhere Temperaturen.

Laut Marco Hofmann, Manfred Stoll und Hans Reiner Schultz von der auf Weinbau spezialisierten Hochschule Geisenheim im Rheingau beträgt die mittlere Temperatur während der Vegetationsperiode 15,7 Grad Celsius für die Jahre 2000 bis 2014. Das sind 1,2 Grad Celsius mehr als 1961 bis 1990 und entspricht damaligen Werten im französischen Burgund.

Der klassische Riesling profitiert zurzeit ebenfalls von der globalen Erwärmung sowie von einer Zunahme der Sonneneinstrahlung, die auf eine Abnahme von Aerosolen in der Atmosphäre zurückgehen könnte. Beide Bedingungen führen zu einem höheren Zuckergehalt der Trauben. So sei in den Jahrgängen 1973 bis 2000 auf zwei Testparzellen nur zweimal ein Öchslegrad von 90 erreicht worden, seit 2000 aber bereits in mehr als der Hälfte der Ernten. Mostgewichte von unter 75 Grad Öchsle, bis 2000 in gut der Hälfte der Jahre der Fall, kommen gar nicht mehr vor. Auch der Säuregehalt hat stark abgenommen, und der Riesling erreicht nun international anerkannte Qualität.

Freilich gibt es neue Risiken zu beachten. Im Süden und Südwesten Deutschlands sei die Wahrscheinlichkeit für niederschlagsreiche Sommermonate gestiegen. Insbesondere Rebsorten mit kompakten Trauben faulen schneller. Auch die Bodenerosion wird infolge von Starkregen zunehmen. Andererseits dürften lange trockene Phasen häufiger auftreten, was vor allem die Reben noch junger Weinberge mit schwach ausgeprägtem Wurzelwerk sowie Steillagen mit geringer Wasserspeicherfähigkeit belasten wird.

Damit nicht genug, lassen mildere Winter die Reben früher austreiben, was sie anfälliger gegen Nachtfrost macht. Die Wissenschaftler warnen auch davor, dass der höhere Zuckergehalt – Ergebnis wärmerer Spätsommer – Schädlinge anlockt. Zudem wandern neue Schädlinge wie die Kirschessigfliege aus südlichen Ländern ein.

Unklar ist noch, wie sich steigende Konzentrationen von Kohlendioxid auswirken. Das Gas wird von Pflanzen aufgenommen und in Biomasse umgesetzt, wirkt aber auch auf Bodenorganismen und Schädlinge. In Treibhäusern wird Kohlendioxid gezielt zur Düngung eingesetzt. Gemeinsam mit Forschern der Justus-Liebig-Universität in Gießen und der Philipps-Universität Marburg untersuchen Önologen der Hochschule Geisenheim diese Zusammenhänge nun bei Reben unter Freilandbedingungen.

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(Quelle: Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH)

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