Jahresrückblick 2015 – aus Sicht der Kellerwirtschaft

Ilona SchneiderNewsKommentar schreiben

Der Herbst 2015 war durch eine sehr entspannte Lese gekennzeichnet. Überwiegend konnte gesundes Lesegut geerntet werden, was auch die Arbeit im Weinkeller erleichterte und ent-zerrte. Häufig wurden Maischestandzeiten durchgeführt, um so den Kontakt mit der Beerenschale zu intensivieren und die Extraktion von positiven Inhaltsstoffen zu fördern.
Allerdings gab es auch Lesegut aus trockengestressten Anlagen, welches rasch verarbeitet werden musste. Zur Entfernung der Bittertöne musste dieses einer Mostbehandlung mit z.B. Hausenpaste unterzogen werden. Sowohl bei solchen, aber auch bei Weinen aus früh gelesenen Trauben mit hohen Erträgen wurde zur UTA-Vermeidung der Einsatz von Ascorbinsäure im Zuge der 1. Schwefelung empfohlen.
Nach einer langen Trockenperiode haben die Regenfälle Mitte September von bis zu 45 Liter/m2 vor allem bei kompakten Trauben zu Abquetschungen der Beeren und Aufplatzen der Beerenschalen und in der Folge zur Ausbreitung von Botrytis geführt. Da sich glücklicherwei-se nach den Niederschlägen wieder ein sonniges und windiges Herbstwetter einstellte, konnten die beschädigten Beeren eintrocknen, was eine Aufkonzentrierung der Inhaltsstoffe zur Folge hatte. So konnten 2015 die höchsten Qualitätsstufen bis zur Trockenbeerenauslese er-reicht werden. Allerdings gingen die Erträge durch den Wasserverlust der Beeren während der Lese stark zurück.
Die extreme Trockenheit sowie die hohen Durchschnittstemperaturen während der Vegetationsperiode führten bei frühen und mittelfrühen Rebsorten teilweise zu hohen pH-Werten und niedrigen Säurewerten, sodass ausnahmsweise die Säuerung für den Jahrgang 2015 zugelassen wurde. Auch wenn diese aus heutiger Sicht nicht flächendeckend zum Einsatz kam, so war sie in einigen Fällen erforderlich, um die mikrobiologische Stabilität zu gewährleisten.
Andererseits waren bei spät reifenden Rebsorten wie z.B. beim Riesling eher Entsäuerungsmaßnahmen notwendig. Aufgrund der hohen Weinsäuregehalte war eine einfache Entsäuerung mit Kalk ausreichend, sodass auf eine aufwendige Doppelsalzentsäuerung verzichtet werden konnte.
Aufgrund der diesjährigen geringen NOPA-Werte vieler Moste wurde eine Zugabe von Hefenährstoffen notwendig. Auch wenn teilweise über Gärstockungen und dem Auftreten von Böcksern insbesondere bei der Vergärung von Mosten mit hohen Zuckergehalten berichtet wird, so gibt es doch überwiegend positive Rückmeldungen.
Sowohl im Weißwein- als auch im Rotweinbereich können wir uns auf qualitativ hochwertige Weine des Jahrgangs 2015 freuen, die sich sowohl durch ihre Fruchtigkeit als auch durch Schmelz und Fülle auszeichnen werden.

(Quelle: Weinbauamt Eltville – 05.11.2015)

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